Woher kam eigentlich die Sache mit den Zertifikaten?
Vor einigen Jahren ergab sich in vielen Unternehmen und folglich auch bei vielen Software-Herstellern ein personal-technisches Problem. Es konnte z. B. bei einem Einstellungsgespräch nicht direkt festgestellt werden, welche Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrung ein IT-Techniker oder IT-Spezialist besitzt. Um dem Abhilfe zu schaffen mussten irgendwelche Nachweise (natürlich am besten in Papierform) her. So ist auch die Idee entstanden, einige Themenbereiche in Fragen zusammenzufassen und die Kandidaten darauf antworten zu lassen. Das Ergebnis führte zu einem Nachweis. Das Wissen wurde dann auch abgestuft und so entstanden verschiedene Zertifizierungs-Stufen wie z. B. bei Microsoft: nach einer Prüfung ist der Kandidat ein "MCP" (Microsoft Certified Professional), nach vier Prüfungen ein "MCSA" (Microsoft Certified Systems Administrator) und nach sieben ein "MCSE" (Microsoft Certified Systems Engineer).
Ursprünglich waren also die Zertifikate ein Nachweis der tatsächlichen Erfahrung und Kenntnisse. Heute hat sich das etwas geändert und viele Testkandidaten versuchen lediglich auf die Prüfungen zu lernen. So besitzen sie theoretische Kenntnisse und haben wenig oder |  | sogar keine praktische Erfahrungen. Sie sind somit weniger für das berufliche Leben vorbereitet und der zukünftige Arbeitgeber wird getäuscht. Ich selbst habe im Laufe der Zeit immer wieder diesen Fall getroffen.
Das haben die Hersteller Erkannt und versuchen die Prüfungen so zu gestallten, dass sie mehr auf die praktische Erfahrung der Testkandidaten abzielen. Vielen Herstellern ist das schon zum Teil gelungen.
In dem Zusammenhang ergibt sich oft ein weiteres Problem, und zwar mit der Bewertung. Kandidaten, die nur die "Scheine" haben wollen, bestehen die Prüfungen oft mit besseren Ergebnis als erfahrene Spezialisten. Dafür haben wir sogar einen Begriff erfunden: "Praxis vorbelastet". Dieses Phänomen ist dadurch zu begründen, dass in der Praxis die Techniker mit vielen verschiedenen Systemen und Versionen arbeiten müssen und Ihre Erfahrungen mit allen sammeln. Bei neueren Versionen sind oft andere Verfahren oder Problemlösungen anzuwenden.
Das haben viele Hersteller ebenfalls erkannt, und versuchen z. B. die Prüfungsergebnisse anders zu gestallten. So z. B. bei Microsoft werden immer mehr Prüfungsergebnisse mit "BESTANDERN" oder "NICHT BESTANDEN" bewertet ohne Angabe der erreichten Punktzahl. Das stellt alle gleich. |